Führungskräfte Coaching: Warum es manchmal scheitert

Es gibt ein offenes Geheimnis in der Coaching-Welt: Nicht jedes Führungskräfte-Coaching bringt etwas. Manche Führungspersonen investieren Zeit und Geld – und gehen am Ende genauso heraus, wie sie reingekommen sind.

Das ist unbequem zu sagen. Aber es ist wichtig. Denn der Grund dafür liegt fast nie beim Coach.

Er liegt bei der Haltung, mit der Führungskräfte ins Coaching gehen.

Coaching ist kein Reparaturbetrieb

Viele Führungskräfte kommen ins Coaching, weil ihr Arbeitgeber es empfiehlt – oder weil der Druck im Führungsalltag so gross geworden ist, dass irgendetwas passieren muss. Das ist ein verständlicher Ausgangspunkt. Aber er ist auch gefährlich.

Wer Coaching als Reparaturmassnahme versteht – als etwas, das ein Problem löst und dann erledigt ist – wird enttäuscht werden. Coaching ist kein Programm, das du absolvierst, um danach eine bessere Führungskraft zu sein. Es ist ein Prozess, der deine aktive Mitarbeit braucht. Täglich. In der Praxis. Im echten Führungsalltag.

Der Unterschied zwischen Führungskräften, die im Coaching wachsen, und jenen, die es als notwendiges Übel betrachten, ist nicht die Qualität des Coaches. Es ist die Bereitschaft, sich wirklich einzulassen.

Die häufigsten Gründe, warum Führungskräfte-Coaching nicht wirkt

1. Die Führungskraft will Lösungen – keine Fragen

Führungspersonen sind es gewohnt, Antworten zu geben. Im Management sind Entscheidungen das tägliche Brot. Die meisten kommen ins Coaching mit der Erwartung: "Sag mir, was ich tun soll."

Aber ein guter Coach gibt keine fertigen Lösungen. Er stellt Fragen – manchmal unbequeme Fragen – die dich dazu bringen, dein eigenes Führungsverhalten zu hinterfragen. Wer das nicht aushält, wer bei jeder Reflexionsfrage innerlich die Augen verdreht, wird keinen echten Nutzen ziehen.

Coaching wirkt dann, wenn du bereit bist, nicht immer die Person zu sein, die weiss.

2. Keine Zeit für echte Reflexion

Führungskräfte sind beschäftigt. Das ist keine Ausrede, das ist Realität. Volle Kalender, E-Mails ohne Ende, Meetings, Teamentwicklung, Konflikte, Transformation – der Führungsalltag lässt kaum Raum zum Durchatmen.

Und genau das ist das Problem. Wer zwischen zwei Terminen ins Coaching-Gespräch springt, mit dem Laptop halb offen, gedanklich noch bei der letzten Teamleitung-Sitzung – der ist körperlich anwesend, aber geistig nicht dabei.

Coaching braucht Raum. Nicht nur im Kalender. Sondern im Kopf. Wenn dieser Raum nicht da ist, bleibt Coaching oberflächlich – egal wie gut der Coach ist.

3. Die Rolle wird nach aussen gespielt, nicht von innen gelebt

Manche Führungspersönlichkeiten kommen ins Coaching mit einer klaren Agenda: Sie wollen besser wirken. Überzeugender auftreten. Im nächsten Meeting souveräner klingen. Mehr Autorität ausstrahlen.

Das ist menschlich verständlich. Aber es greift zu kurz. Wer nur an der Oberfläche arbeitet – an Kommunikation, Sprache, Auftreten – ohne die eigene Haltung, die eigenen Werte und die eigenen Einstellungen zu hinterfragen, wird sich bald wieder am selben Punkt befinden.

Echte Führungsstärke kommt nicht von aussen. Sie kommt aus dem Einklang zwischen dem, wer du bist, und dem, wie du führst. Coaching kann diesen Einklang herstellen. Aber nur, wenn du bereit bist, tiefer zu schauen als dein öffentliches Bild.

4. Zu hohe Erwartungen – zu wenig Geduld

Performance, Ergebnisse, Wirksamkeit – Führungskräfte sind ergebnisorientiert. Das ist gut so. Aber Coaching ist kein Sprint. Wer nach drei Sitzungen erwartet, dass sein Führungsstil transformiert wurde, seine Teams begeistert zusammenarbeiten und alle Konflikte gelöst sind, wird enttäuscht.

Echte Veränderung in der Führungsarbeit – in Führungssituationen, in der Zusammenarbeit, in der Kommunikation – braucht Zeit. Sie entsteht nicht im Gespräch. Sie entsteht in der Praxis, in dem Moment, in dem du unter Druck eine Entscheidung anders triffst als sonst. Das braucht Wiederholung. Geduld. Konsequenz.

5. Coaching wird als Eingeständnis gesehen, nicht als Stärke

Besonders auf der obersten Führungsebene – in Organisationen, Geschäftsleitungen, Teamleitungen – gibt es noch immer das Bild: Wer einen Coach braucht, hat ein Problem. Wer Unterstützung sucht, ist schwach.

Das Gegenteil ist wahr. Die wirksamsten Führungspersönlichkeiten, die ich in meiner Arbeit kennengelernt habe, sind genau jene, die keine Angst haben zuzugeben, dass sie noch wachsen wollen. Die auf Augenhöhe mit einem Coach arbeiten. Die offen sind für Fragen, für Feedback, für Irritation.

Coaching ist kein Zeichen von Schwäche in der Führungsrolle. Es ist ein Zeichen von Führungsverantwortung.

Was Führungskräfte-Coaching wirklich wirksam macht

Die Frage ist also nicht nur: Wann scheitert Coaching? Sondern: Was braucht es, damit es wirklich etwas bewegt?

Aus meiner Erfahrung in der Begleitung von Führungskräften in der Schweiz, in Bern, Zürich und darüber hinaus, sind es immer dieselben Faktoren, die den Unterschied machen:

  • Ehrlichkeit zur eigenen Situation: Führungskräfte, die im Coaching wirklich vorankommen, kommen nicht mit einer Fassade. Sie kommen mit ihren echten Herausforderungen, ihrem echten Führungsalltag, ihren echten Zweifeln.

  • Bereitschaft zur Selbstreflexion: Wer bereit ist, das eigene Führungsverhalten, die eigene Haltung und die eigenen Einstellungen zu hinterfragen, wächst. Wer das nicht will, stagniert.

  • Transfer in den Alltag: Coaching-Inhalte müssen in die Praxis gebracht werden. Zwischen den Sitzungen. In der Teamleitung. In schwierigen Führungssituationen. Im Gespräch mit Mitarbeitenden.

  • Die richtige Basis mit dem Coach: Vertrauen ist keine Voraussetzung, die man einfach voraussetzt – sie muss entstehen. Das Erstgespräch ist entscheidend. Wenn die Chemie nicht stimmt, ist ein Wechsel keine Schwäche, sondern Klarheit.

  • Zeit und Fokus: Wer Coaching ernst nimmt, schützt diese Zeit. Nicht nur im Kalender – sondern auch im Kopf. Coaching ist kein Meeting, das du halbherzig absolvierst.

Führungskräfte-Coaching online: Funktioniert das überhaupt?

Eine Frage, die ich oft höre – besonders von Führungspersonen, die viel unterwegs sind oder in der ganzen Schweiz oder international tätig sind.

Die kurze Antwort: Ja. Online Coaching für Führungskräfte ist genauso wirksam wie Coaching in Präsenz – wenn die Bereitschaft da ist, die oben beschrieben wurde (Berger, 2021). Viele meiner Klienten aus Bern, Zürich und anderen Regionen der Schweiz arbeiten ausschliesslich online mit mir – mit sehr konkreten Ergebnissen in ihrer Führungsarbeit.

Der entscheidende Faktor ist nicht der Kanal. Es ist die Qualität der Beziehung zwischen Führungskraft und Coach. Und die entsteht auch über den Bildschirm – wenn beide Seiten wirklich da sind.

Was du von einem guten Führungskräfte-Coach erwarten kannst

Ein guter Coach für Führungskräfte stellt sich nicht vor dich und erzählt dir, wie Führung funktioniert. Er setzt sich neben dich – im übertragenen Sinne – und schaut gemeinsam mit dir auf das, was du bereits siehst, und das, was du noch nicht siehst.

Was konkret passiert in einer Coaching-Begleitung für Führungspersonen:

Wir arbeiten an deiner Führungspersönlichkeit – nicht an deiner Fassade. Wir schauen auf dein Führungsverhalten in konkreten Situationen, in der Zusammenarbeit mit Teams und Mitarbeitenden, im Umgang mit Konflikten und Überlastung.

Wir arbeiten an der Kommunikation – nicht als Technik, sondern als Ausdruck deiner Haltung. Wir schauen auf deine Entscheidungen – nicht um sie zu bewerten, sondern um zu verstehen, was dahintersteckt und wie du künftig klarer entscheiden kannst.

Und wir arbeiten an deinem Potenzial – also an dem, was du als Führungskraft noch nicht vollständig nutzt. Den Stärken, die du kennst, aber nicht konsequent einsetzt. Den Fähigkeiten, die noch im Verborgenen liegen. Der Führungspersönlichkeit, die in dir steckt.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Q. Mein Unternehmen hat mich ins Coaching geschickt. Kann das trotzdem funktionieren?

Ja – aber nur, wenn du es für dich nimmst. Coaching, das von aussen verordnet wird, kann wirken. Aber der Schlüssel liegt darin, ob du selbst Fragen mitbringst, echte Anliegen, echten Veränderungswunsch. Die Zielgruppe macht das Coaching, nicht der Auftraggeber.

Q. Wie erkenne ich, ob Coaching mir wirklich etwas bringt?

Nicht an einem grossen Moment. Sondern an kleinen Verschiebungen im Alltag. Du gehst anders in schwierige Gespräche. Du triffst Entscheidungen ruhiger. Du gibst Verantwortung ab, wo du früher alles selbst gehalten hast. Du führst klarer – und gleichzeitig menschlicher.

Q. Was ist der Unterschied zwischen Coaching und einem Führungsseminar?

Ein Führungsseminar gibt dir Wissen und Prinzipien. Es spricht eine breite Zielgruppe an. Coaching ist individuell. Es geht um dich, deine Führungsrolle, deine Führungssituationen, dein Unternehmen. Das macht den Unterschied in der Wirksamkeit.

Q. Wie lange brauche ich Coaching als Führungskraft?

Das hängt von deiner Ausgangssituation und deinen Zielen ab. Manche Führungskräfte kommen mit einem konkreten Thema, das wir in fünf bis acht Sitzungen bearbeiten. Andere arbeiten langfristig mit mir – als kontinuierliche Reflexionspartnerschaft im Führungsalltag. Beides ist möglich. Beides hat seinen Platz.

Bist du bereit, wirklich hinzuschauen?

Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann vermutlich, weil dich etwas in diesem Artikel angesprochen hat. Vielleicht erkennst du dich in einem der Punkte. Vielleicht fragst du dich, ob dein letztes Coaching wirklich das gebracht hat, was du dir erhofft hast.

Das ist ein guter Ausgangspunkt. Nicht Zweifel, sondern Klarheit.

Ich begleite Führungskräfte und Führungspersönlichkeiten in der Schweiz – in Zürich, Bern und darüber hinaus, online und persönlich – dabei, ihre Führungsrolle mit mehr Klarheit, mehr Wirksamkeit und mehr Menschlichkeit zu gestalten. Nicht durch Ratschläge. Sondern durch Begleitung auf Augenhöhe.

Wenn du das willst – dann schreib mir. Das erste Gespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Mehr auf maraschaer.com.

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Referenzen

Berger, T. (2021). Internetbasierte Interventionen: Wirksamkeit und Grenzen. Verhaltenstherapie, 27(1), 50–58.

Grant, A. M. (2014). The efficacy of executive coaching in times of organisational change. Journal of Change Management, 14(2), 258–280.

Greif, S. (2008). Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion. Hogrefe Verlag.

International Coaching Federation (ICF). (2023). Global Coaching Study. https://coachingfederation.org

Kategorie: struktur/ fällen/ leute/ stelle/ entwicklung/ weg/ führungsposition/ führungskompetenz/ medien/ aufgaben/ menschen/ führungsaufgaben

Written by Ayan Masood

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